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Es war 2007
und einige Marathons lagen hinter mir. Da ich aber immer von neuen
besonderen Events getrieben werde, kam mir während eines Sonntagslaufs mit
dem Lauftreff der Vorschlag von meinem Laufkollegen Willi Alders genau
passend, dass wir an einem Triathlon in Bocholt im nächsten Jahr
teilnehmen sollten. Keine 3 Kilometer weiter waren die Meilensteine
besprochen. Unser erster Tria sollte der olympische sein (1,5 KM Schwimmen
– 40 KM Rad – 10 KM Laufen), da wir uns diese Strecken einzeln zutrauten
und die zusammenhängenden Disziplinen in dieser Ausprägung eine
interessante Herausforderung verspricht. Also schnell alles dingfest
machen, damit es kein Zurück mehr gibt.
– Zuhause
abklären
- Anmelden
– Literatur
kaufen
–
Recherchieren
– Material
zusammenstellen.
Leider
musste Kompagnon Willi aus chirurgischen Gründen aus dem Vorhaben
aussteigen. So stand ich am Anfang irgendwie allein. Aber da haben die
erfahrenen Triathleten im näheren Umfeld mir ganz schön geholfen. Viele
Tipps habe ich von Günther Farber und Marco van Beek erhalten. Ich danke
euch ganz herzlich.
Trainiert
habe ich (wie immer) absolut nach Plan. Das Buch von Lothar und Nicole
Leder hat mich Anfangs dabei seht gut geführt. Und dann kam der Tag der
Tage. Die Wetterprognose besagte, dass es bewölkt sein wird. Ich dachte
bei mir, nur kein Regen, denn davor hatte ich in der Kombination mit
Radfahren echt Angst.
In den
letzten Monaten konnte ich das Schwimmen in den verschiedenen
Badeanstalten in Deutschland recht gut trainieren. Da Bocholt eines der
ersten Trias im Jahr veranstaltet, konnte ich aber keinerlei Erfahrung im
Freigewässer sammeln. Als dann am Samstag (ein Tag vor dem Start) ich den
dicken Zeh in den Aasee gehalten habe, bin ich sofort nach Rose gefahren
und habe mir in der letzten Minute vor Ladenschluss einen Neo gekauft. Das
Ding beruhigte mich ungemein. So habe ich dann auch sofort noch in einem
selbstorganisierten Probeschwimmen das schwimmen im Neo geübt. Das erste
Mal war schon recht komisch. Die Hinweise in der Literatur über die
Wichtigkeit des Trainings im Neo kann ich absolut Recht geben. Ich nutze
nunmehr jede Möglichkeit und schwimme im Neo, ob es bei uns im Reeser Meer
ist, oder aber im Urlaub an der Nordsee.
Das
Radfahren habe ich auf meinem 27 Jahre alten Stahl-Rennrad geübt und habe
lediglich einen Triathlon-Lenker aufgesetzt sowie die Schaltung von
Rahmenschaltung auf Lenkerschaltung (Dank an Karl Tausche) umgebaut.
Zuversichtlich, dass es schon irgendwie klappen wird und ich nicht zu
viele Plätze verliere, hat das Radfahren im Wettkampf am meisten Spaß
gemacht. In einer Horde von Gleichgesinnten in überhöhter Geschwindigkeit
auf gesperrter Straße, das ist Feeling pur, ohne dass man wirklich merkt,
dass die 40 KM bereits vorbei sind. Nach meinem zweiten Start (in Xanten)
genehmigte meine Familie mir den Kauf eines richtigen Triathlonrades. Nach
ihren Aussagen sehen alle anderen Teilnehmer auf ihren Rädern sportlicher
aus. Nach der Vermessung bei Bernd Arentsen wusste ich, dass das alte Rad
2 Nummern zu klein ist. Zwischen dem Wettkampf mit dem alten Rad und dem
Neuen, verbesserte ich mich auf der Radstrecke um fast 6 Minuten –und um
ganz viel mehr Fahrspaß-.
Über das
Laufen habe ich mir nie Gedanken gemacht. Da ich vom Laufen komme, galt
und gilt immer das Motto, wenn ich das Rad abgestellt habe ist der Tria
geschafft, denn die 10 KM bringe ich immer irgendwie nach Hause, egal wie.
Leider gilt das nur bis zur olympischen Strecke. Wenn man zum Schluss noch
einen Halbmarathon oder Marathon erlaufen muss, sieht das sicherlich
anders aus.
Nun aber zu meinem ersten Mal.
Als ich samstags die Unterlagen abgeholt habe, traf ich Bernd Börgers,
Menke Reichmann und Gregor Komescher. Die gaben mir das Gefühl, dazu zu
gehören. Wau, und dabei war ich noch gar nicht gestartet. Ich weiß nicht,
wann ich jemals so nervös gewesen bin. Zuhause angekommen habe ich nichts
anderes gemacht, als die Küche für jeglichen anderen Gebrauch zu sperren
und diesen Raum nur als Lager und Organisationsbasis zu nutzen. Wie oft
ich das ganze Material zurecht gelegen habe, die Funktion getestet und
gedanklich die Wechsel durchlaufen habe, weiß ich heute nicht mehr, aber
ich glaube, den Rest der Familie damit ganz schön genervt zu haben.
Früh
morgens bin ich dann mit unserem Sohn Kristoffer auf nach Bocholt. Er
machte an diesem Tag zusammen mit seinen Kumpels Paul und Sebastian beim
Kindertria mit. Gott lob kümmerte sich Pauls Vater Jürgen te Bay um die
Kids, da ich nur noch einen Kopf für meine Sache hatte. Als erstes einen
guten Wechselplatz aussuchen (ich bevorzuge eher einen zurückgezogenen,
der zwar wenige Sekunden mehr an Zulauf benötigt, aber dafür bleibt er
verschont, von anderen Triathleten unbeabsichtigt verwüstet zu werden),
dann die einzelnen Zugänge ablaufen (dies ist absolut wichtig, in Hamburg
habe ich jemanden beobachtet, der suchte minutenlang sein Rad, und das
unter 4.500 Räder) und die letzten Tipps von anderen einholen. Dann
umziehen und ab zum Schwimmstart. Ab da ging alles nur noch ab wie im
Film. Kurz vor dem Startschuss sah ich noch den Profi Andreas Niedrig, und
dachte bei mir, wir sehen uns heute nicht mehr. Damit hatte ich leider
recht.
Das
Schwimmen lief genau nach Plan. Nachdem ich mich an die Unruhe (auch
Waschmaschine genannt) durch die anderen im Wasser gewöhnt und die ersten
Schläge und anderweitigen Berührungen ganz gut weggesteckt habe,
konzentrierte ich mich auf den Ausstieg. Ich plante den Ablauf, ab wann
ich laufe, ab wann ich den Reißverschluss öffne und wie ich den Neo bis
zur Hüfte (weiter darf man ihn außerhalb der Wechselzone nicht
herunterziehen) ausziehe. Und genau das hab ich dann abgespult und siehe
da, hat super geklappt. Den Rest des Neos konnte ich auch ohne Hinfallen
entledigen. Den Helm auf, das Rad schnappen und loslaufen. An dieser
Stelle passierte mein erstes Missgeschick. Ich hatte meine Brille am
Schaltzug eingehangen. Ein Fehler. Beim loslaufen viel sie dann hin. Seit
dem integriere ich die Brille mit dem Helm, so dass nach dem Aufziehen des
Helms die Brille auf die Nase fällt und richtig sitzt. Das war mein erster
Wechsel und die vierte Disziplin.
Die
Radrunden liefen für meine recht schmale Vorgeschichte an Erfahrungen in
dieser Kategorie, gut. Zwar wurde ich von vielen überholt, aber ich konnte
sogar einige überholen. Und dies bei einem Windschattenfahrverbot und mit
einem Oldtimer als Rad. Eine Punktlandung an der Ziellinie bei der
Wechselzone erhöhte mein Glücksgefühl. Die ganze Zeit dachte ich nur: ich
bin ein Triathlet, YES!!!
Rad
geparkt, Helm aus, Laufschuhe an, Startnummer nach vorne und ab. Es
ereilte mich ein bis dahin nie da gewesenes Taubheitsgefühl in den Beinen.
Ich hatte das viel zitierte Koppeltraining wenig Achtung geschenkt. Jetzt
wusste ich, dass es mein zweiter Fehler war. Fast 2 Kilometer hatte ich
damit zu kämpfen. Die restliche Strecke habe ich gekämpft, einige Plätze
wieder nach vorne zu kommen. Angefeuert durch die Zuschauer und der
optimalen Versorgung an der Wasserstelle durch Kim Leson machte ich es zu
meinem Lauf.
Heute
glaube ich, dass ich im Ziel verdammt blöd ausgesehen haben muss. Ich
glaube ich stand da minutenlang und jubelte unentwegt. Irgendwann hatte
aber auch mich beruhigt und seitdem hat es mich gepackt.
2 Jahre
später startet Willi zu seinem ersten Tria, und dies auch noch in
Begleitung von 5 anderen Novizen, die sich alle irgendwie auch angesteckt
fühlen.
Diese ganz
persönliche Darstellung animiert vielleicht andere SportskollegInnen auch
mal Tria-Luft zu schnuppern oder aber einfach einen Grund zu nennen, warum
wir immer an schwimmen, Radfahren, laufen und Krafttraining denken.
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